finanzen.net zero Depot
Trade Republic
Scalable Capital Depot Das Video findest du hier:
Kurz gesagt: Vier bekannte Studien zeigen, warum viele Privatanleger hinter dem Markt landen: zu viel Handel, Verlierer, die zu lange liegen bleiben, und Käufe nach Schlagzeilen. Das meiste davon kannst du mit wenigen Regeln vermeiden.
- Barber/Odean 2000: Haushalte lagen netto rund 1,5 Prozentpunkte hinter dem Markt – vor allem wegen Kosten und Turnover, nicht weil die Ideen brutto so schlecht waren.
- Die Studie ist alt (Daten 1991–1996, Roundtrip damals grob 4 %). Heute sind Gebühren bei Neo-Brokern oft deutlich niedriger. Das Muster „zu viel Handeln“ bleibt.
- Dispositionseffekt: Gewinner zu früh raus, Verlierer zu lange halten. Neuere Arbeit (2026): rote Depots lähmen auch neue Käufe.
- Retail-Käufe können den Markt kurz heben – trotzdem verlieren viele, weil sie in Hype-Titel konzentriert und klein handeln.
- Fama-French: Value seit Jahren schwach, Quality/Profitabilität theoretisch spannender – der iShares-World-Quality hat den MSCI World im Vergleichszeitraum des Videos trotzdem nicht geschlagen.
- Praktisch: weniger, größere, überlegte Positionen. Markt-ETF als Kern. Aktive Fonds meiden.
Was zeigen die vier Studien?
Ein Überblick über die Arbeiten, auf die sich dieser Artikel stützt. Die Studien sind in den jeweiligen Abschnitten verlinkt.
| Studie | Erschienen | Kernergebnis |
|---|---|---|
| Barber/Odean 2000: Trading Is Hazardous to Your Wealth | Journal of Finance 2000, US-Haushalte 1991–1996 | netto rund 1,5 Prozentpunkte pro Jahr hinter dem Markt, vor allem wegen Kosten und Umschlag |
| Barber u. a. 2026: Mired in Losses | SSRN 2026 | viele unrealisierte Verluste verschlechtern auch neue Käufe |
| Barber/Odean: All That Glitters | Review of Financial Studies 2008 | Privatanleger kaufen vor allem, was gerade laut ist |
| Fama/French: Five-Factor Model | Journal of Financial Economics 2015 | Value wird neben Profitabilität und Investment redundant |
Studie 1: Trading kostet – Barber und Odean 2000
Die bekannteste Arbeit: Barber/Odean, „Trading Is Hazardous to Your Wealth“ (Journal of Finance 2000). US-Haushalte, Daten 1991 bis 1996. Marktrendite im Sample rund 17,9 % p. a., der durchschnittliche aktive Haushalt 16,4 % netto – etwa 1,5 Prozentpunkte dahinter. Brutto lagen dieselben Haushalte sogar leicht über dem Markt (im Video rund 18,7 %). Die Lücke entsteht fast nur durch Kommission und Spread. Damals grob 3 % Kommission plus 1 % Spread pro Roundtrip, zusammen um die 4 %. Turnover um die 75 % im Jahr: aus 100.000 € Depot werden 75.000 € Umsatz. Intramonat-Trades waren minimal profitabel (ein Basispunkt), das lohnt den Aufwand nicht. Schon dort: Gewinner werden häufiger verkauft als Verlierer. Und Anti-Momentum: gefallene Titel werden lieber nachgekauft, „die müssen ja wieder hoch“. Heute sind die reinen Orderkosten oft ein Bruchteil – bei finanzen.net zero oder Trade Republic zur Handelszeit eher im Bereich weniger Zehntelprozent plus Spread, nicht 4 %. Deshalb ist die Studie für Gebühren veraltet. Für Verhalten nicht. Wer nachts Market-Orders in dünne Titel legt, holt sich den alten Spread zurück. Rechnen hilft. Bei 4 % Roundtrip brauchst du allein für die Kosten eine Bewegung, die die meisten Trades nicht liefern. Bei 0,2 bis 0,5 % plus Spread bleibt mehr übrig – wenn du nicht zehnmal im Monat dieselben 2.000 € hin- und herschiebst. Geld- und Briefkurs bleiben Teil des Preises. „Die Obergrenzen beim Kauf werden zu den Untergrenzen beim Verkauf.“ Wer das ignoriert, zahlt unsichtbare Miete an den Market Maker. Zugegebenermaßen: 1991 bis 1996 war ein anderer Markt. Weniger Instant-News, andere Provisionen, andere Transparenz. Genau deshalb zitiere ich die Studie nicht als Gesetzestafel für 2026, sondern als Beweis, dass Aktivität ein Preis hat. Der Preis heißt heute seltener Bankprovision und öfter App-Daumen.Studie 2: Dispositionseffekt lähmt auch den nächsten Kauf
Gewinne mitnehmen, Verluste aussitzen – das kennt jeder, der schon einmal ins App-Rot gestarrt hat. Die neuere Barber-Linie im Video 2026 ist Barber, Chu, Liu, Odean, Shi: „Mired in Losses“ (SSRN, 2026). Sie sagt zusätzlich: Sitzt du auf vielen unrealisierten Verlusten, kaufst du schlechter nach. Nicht nur verkaufst du falsch. Du bist blockiert, selbst wenn du den Sektor kennst und Cash da wäre. Mein eigenes Bild dazu: LVMH lag bei mir über +130 %, später war ich bei etwa +10 % draußen, weil die Aktie über Jahre den MSCI World bzw. S&P 500 nicht mehr gehalten hat. Ähnlich Novo Nordisk: +100 oder +150 % im Depot fühlt sich nach Sieg an, bis der Drawdown kommt. Wer dann nicht wenigstens einen Teil realisiert und umschichtet, klebt am alten Gewinner, der keiner mehr ist. „Ein voreiliger Verkauf ist nicht immer sinnvoll.“ Der Satz gilt weiter. Nur: Fünf bis sechs Jahre ohne Markt-Schritt und ohne These ist auch kein Argument zum Liegenlassen. Der Dispositionseffekt fühlt sich rational an. Gewinn mitnehmen klingt nach Disziplin. Verlust halten klingt nach Geduld. In der Summe ist es oft das Gegenteil: Du schneidest Blumen und gießt Unkraut. Dazu kommt der Blick aufs Broker-Dashboard. Grün beruhigt, Rot lähmt. Wenn drei Positionen bei −30 % stehen, wird aus Cash plötzlich „Reservekapital für die Erholung“ – obwohl das Geld in einem anderen Titel produktiver wäre. Mir ist aufgefallen, dass ich früher häufiger nachgekauft habe, sobald eine Linie rot war. Nicht weil die Bewertung besser geworden ist, sondern weil der Einstieg „billiger als mein erster Kauf“ wirkte. Das ist Anker, kein Argument. Ein Nachkauf braucht eine These, die auch ein Außenstehender verstehen würde: Auftragslage, Marge, Bewertung gegen den Markt. „Die Aktie muss wieder auf meinen Einstand“ ist keine These.Studie 3: Retail kauft den Hype – und verliert trotzdem
Zwei Fakten, die sich beißen:- Privatanleger verlieren mit kurzfristigem Trading Geld.
- Starke Nettokäufe der Retail-Seite sagen kurzfristig oft positive Renditen voraus.
Fama-French: fünf Faktoren, einer davon ist müde
Working Paper 2014, Veröffentlichung 2015: Fama/French, „A Five-Factor Asset Pricing Model“ (Journal of Financial Economics 2015). Faktoren sind Differenzen, keine Magie.| Faktor | Kurz |
|---|---|
| RMF | Markt minus risikofreier Zins – das klassische Beta |
| SMB | Small minus Big – Size |
| HML | High minus Low Book-to-Market – Value |
| RMW | Robust minus Weak – Profitabilität |
| CMA | Conservative minus Aggressive – wenig vs. viel Investition |
Was ich daraus fürs Depot ziehe
- Einzelkäufe in Ruhe, nicht im News-Ticker.
- Nicht zu viele Mini-Positionen. Größe zwingt zum Nachdenken.
- Extrem beliebte, hochvolatile Namen musst du nicht besitzen, um den Markt zu halten.
- Gewinner laufen lassen. Verlierer gegen den Markt messen, nicht nur gegen den eigenen Einstieg. Fällt der MSCI World 10 % und deine Aktie 10 %, ist das nicht automatisch „die These ist tot“.
- Nachkaufen ins Minus nur mit fundamentaler These, nicht aus Trotz.
- Kosten bei CFDs und Derivaten extra prüfen. Hebel: Derivate einfach erklärt.
- Faktor-ETFs können über Jahre helfen – oder ein Jahrzehnt nicht. Aktive Fonds schlagen den Markt nur in der Minderheit. Kern bleibt MSCI World oder S&P 500, auch Buffett sagt das in der Regel so.
Für wen geeignet – und für wen eher nicht
Eher ja, wenn du schon handelst und merkst, dass die App dich nervös macht. Die Studien ersetzen keine Analyse, sie sortieren Fehler. Eher nein, wenn du daraus ableitest, nie wieder eine Einzelaktie zu kaufen. Ein Welt-ETF reicht vielen. Wer Einzeltitel will, darf das – mit Spielgeld, das weh tut, aber nicht tötet. 5.000 oder 10.000 € Lehrgeld mit 25 ist etwas anderes als dasselbe Muster bei 500.000 €.Fazit
Die Wissenschaft sagt nicht „Privatanleger sind hoffnungslos“. Sie sagt: zu oft, zu klein, zu laut, zu rot im Blick. Brutto lag die alte Barber-Stichprobe sogar leicht vorn. Netto fraßen Kosten und Verhalten die Überrendite. Heute sind Gebühren niedriger, Aufmerksamkeit ist teurer. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ein voreiliger Verkauf ist nicht immer sinnvoll – ein voreiliger Hype-Kauf selten.Quality-ETF statt World?
Im Video-Zeitraum hat Quality den World nicht geschlagen. Keine Garantie, dass das so bleibt – und keine Garantie für das Gegenteil.Was ist mit Steuern?
Jeder Verkauf kann Abgeltungsteuer auslösen, Freistellungsauftrag und Vorabpauschale beim ETF bleiben ein eigenes Thema. Wer Gewinner nur verkauft, „weil sie grün sind“, zahlt oft Steuer auf genau die Position, die weiterlaufen sollte.Häufige Fragen
Sind die Studien auf Deutschland übertragbar?
Die Daten sind vor allem US-Broker. Disposition und Hype funktionieren ohne Visum.
Soll ich alle Verlierer bei −10 % verkaufen?
Nein. Immer gegen den Markt und gegen die These. −10 %, während der World auch −10 % macht, ist ein anderes Bild als −40 % gegen einen ruhigen Index.
Wie oft umschichten?
So selten, dass du den Spread nicht als Hobby pflegst. Quartalsweise hinschauen reicht vielen. Täglich die App öffnen ist Training für den Dispositionseffekt.
Reicht ein Neo-Broker?
Für den Kern ja. Wer US-Einzelwerte und mehr Tiefe will, ergänzt CapTrader.
3 Kommentare zu „Warum Privatanleger an der Börse Geld verlieren – Studien einfach erklärt“