Ausblick auf die Börsenwoche: Am Dienstag um 14:30 Uhr deutscher Zeit kommen die US-Verbraucherpreise für Oktober. Am Donnerstagabend legen Cisco und Applied Materials Zahlen vor, am Freitag folgen die Erzeugerpreise. Dazwischen berichten unter anderem Infineon, Siemens Energy, Siemens, Allianz und die Münchener Rück. Für S&P 500, Nasdaq, Dow Jones und MSCI World wird es eine Woche, in der Inflation und die Frage nach der KI-Infrastruktur die Richtung vorgeben.
Hallo und schön, dass du da bist. Die Wall Street geht angeschlagen in die fünf Handelstage. Der S&P 500 hat in der vergangenen Woche 2,7 Prozent verloren, der Nasdaq Composite 3,4 Prozent – bereits der vierte Wochenverlust in Folge. Am Donnerstag knickte die Tech-Börse um 5,5 Prozent ein, weil Anleger nach den Zwischenwahlen strengere KI-Regeln und einen langsameren Bau von Rechenzentren einpreisten. Freitag holte sie einen Teil zurück. Gleichzeitig hat ein kräftiger Jobsbericht die Erwartung einer Zinserhöhung im Dezember wieder gefestigt. Hier bekommst du die Termine von Montag bis Freitag und die Einordnung, worauf es jeweils ankommt.
Kurzfassung, falls du nicht alles lesen willst
- Am Dienstag um 14:30 Uhr kommen die US-Verbraucherpreise für Oktober. Der Konsens erwartet plus 0,3 Prozent zum Vormonat nach plus 0,6 Prozent im September. Die Kernrate ohne Nahrung und Energie soll um 0,2 Prozent steigen nach 0,3 Prozent.
- Am Donnerstagabend berichten Cisco und Applied Materials. Beide hängen an der Frage, wie viel Unternehmen weiter in Netze und Chipfertigung für KI stecken.
- In Deutschland legen 13 DAX-Konzerne Zahlen vor, darunter Infineon am Dienstag, Siemens Energy am Mittwoch sowie Siemens, Allianz und die Münchener Rück am Donnerstag.
- Am Freitag folgen die US-Erzeugerpreise. Der Konsens liegt bei plus 0,4 Prozent zum Vormonat und 6,6 Prozent zum Vorjahr.
- Mittwoch ist Veterans Day: Der US-Aktienmarkt handelt normal, der Anleihemarkt bleibt geschlossen. Fed und EZB tagten zuletzt im Oktober und entscheiden erst wieder im Dezember.
Wo stehen die Börsen vor dieser Woche?
Der S&P 500 schloss am Freitag bei 7.376,86 Punkten, 0,31 Prozent über dem Vortag, aber 2,7 Prozent unter dem Stand der Vorwoche. Der Dow Jones gab am Freitag noch einmal 0,46 Prozent auf 51.285,73 Punkte nach und verlor über die fünf Tage 0,9 Prozent. Am stärksten erwischte es erneut die Technologiewerte: Der Nasdaq Composite stieg am Freitag um 1,09 Prozent auf 24.579,42 Punkte, liegt auf Wochensicht aber 3,4 Prozent im Minus.
Der Verlauf erklärt die Nervosität. Am Mittwoch feierte der Markt den Sieg der Demokraten in Senat und Repräsentantenhaus zunächst als Blockade: weniger große Steuer- oder Ausgabenpakete, weniger politische Unruhe. Der Dow sprang um gut 3 Prozent. Einen Tag später kippte die Geschichte. Nicht mehr „Blockade ist gut für Aktien“, sondern „Demokraten bedeuten schärfere KI-Regeln und weniger neue Rechenzentren“. Der Nasdaq Composite fiel um 5,5 Prozent und rutschte in eine Korrektur, der S&P 500 verlor 4,4 Prozent, der Dow 3,4 Prozent. Der Halbleiterindex der Börse Philadelphia gab am Donnerstag um 12,25 Prozent nach.
Auslöser war unter anderem Texas. Dort gewann Gina Hinojosa die Gouverneurswahl und hatte im Wahlkampf ein Moratorium für neue Rechenzentrums-Genehmigungen angekündigt. Amtsantritt ist der 19. Januar 2027. Zusammen mit lokalen Abstimmungen gegen neue Zentren reichte das, um Nvidia, AMD und andere Chipwerte deutlich unter Druck zu setzen – obwohl AMD selbst in derselben Woche noch rekordverdächtige Zahlen geliefert hatte. Details stehen im Marktbericht vom Donnerstag und im Wochenrückblick.
Freitag brachte eine Teil-Erholung. Nvidia schloss bei 186,64 Dollar, plus 2,8 Prozent an diesem Tag, auf Wochensicht aber rund 8,8 Prozent im Minus. AMD sprang um 11,0 Prozent auf 449,04 Dollar und blieb über die Woche trotzdem rund 11,1 Prozent leichter. Gleichzeitig überraschte der Arbeitsmarktbericht nach oben: Im Oktober entstanden 165.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, erwartet worden waren rund 65.000. Der Septemberwert wurde auf 60.000 nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,1 Prozent. Die Stundenlöhne stiegen um 0,4 Prozent zum Vormonat und um 3,1 Prozent zum Vorjahr. Am Terminmarkt lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Fed-Sitzung am 8. und 9. Dezember danach bei rund 75 Prozent.
Der DAX beendete die Vorwoche bei 25.820,36 Punkten und damit praktisch unverändert. Der Nikkei in Tokio schloss am Freitag bei 57.434,77 Punkten, rund 6 Prozent unter dem Vortag. Brent fiel in der Woche um rund 17 Prozent und schloss am Freitag bei 98,32 Dollar je Barrel. Das entlastet auf Sicht die Inflation – bleibt aber anfällig, solange der Konflikt um Iran und die Schifffahrt im Golf nicht geklärt ist.
Wichtig für alle, die abends die US-Börse verfolgen: Der Abstand zu New York beträgt sechs Stunden. Die Wall Street öffnet um 15:30 Uhr deutscher Zeit. US-Konjunkturdaten kommen in dieser Woche meist um 14:30 oder 16:00 Uhr.
Die wichtigsten Termine auf einen Blick
Alle Uhrzeiten in der Tabelle sind deutsche Zeit (MEZ). Bei Unternehmenszahlen ohne feste Uhrzeit steht „vorbörslich“ oder „abends“.
Montag: Zahlenauftakt in Frankfurt und an der Wall Street
Der Kalender beginnt schon vor dem europäischen Handel. Um 2:30 Uhr kommen die chinesischen Verbraucherpreise für Oktober. Der Konsens erwartet 0,8 Prozent zum Vorjahr nach 0,9 Prozent im September. Gleichzeitig veröffentlicht Peking die Erzeugerpreise. Früh am Dienstag folgt dann die chinesische Handelsbilanz. Im September waren die Exporte noch um 36,3 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Ob dieser Schwung anhält, ist offen.
Um 8:00 Uhr legt Destatis den deutschen Außenhandel für September vor, dazu den Lkw-Maut-Fahrleistungsindex für Oktober. Um 10:30 Uhr kommt der Sentix-Konjunkturindex für die Eurozone. In Brüssel treffen sich Eurogruppe und Ecofin. Außerdem beginnt in der Türkei die UN-Klimakonferenz, sie läuft bis zum 20. November. Für die Börsenkurse am Montag zählen diese Termine weniger als die Unternehmenszahlen.
In Frankfurt eröffnen GEA und die Hannover Rück die Berichtssaison der Woche. Bei GEA erwarten Analysten 1,47 Milliarden Euro Umsatz und 0,93 Euro Gewinn je Aktie. Bei der Hannover Rück liegen die Schätzungen bei 6,72 Milliarden Euro Umsatz und 5,53 Euro je Aktie. Die großen Versicherer gerieten am Freitag unter Druck, Hannover Rück verlor rund 4,8 Prozent. Am Montag zeigt sich, ob das nur der Nachhall des schwachen Versicherungstags war oder ob die Zahlen selbst für Unruhe sorgen.
Constellation Energy, Take-Two und Rocket Lab
In den USA ist der Montag der vollste Berichtstag der Woche, auch wenn die ganz großen Tech-Namen erst später kommen. Vorbörslich legen unter anderem Constellation Energy, KKR, Ferguson und NRG Energy vor. Für Constellation Energy, einen der großen US-Stromerzeuger und damit auch ein Name in der Debatte um den Strombedarf von Rechenzentren, erwarten Analysten 9,23 Milliarden Dollar Umsatz und 3,90 Dollar Gewinn je Aktie.
Nach US-Börsenschluss folgen Take-Two Interactive, Occidental Petroleum und Rocket Lab. Bei Take-Two schaut der Markt vor allem auf den Zeitplan von GTA VI und auf den Ausblick für die Spieleumsätze. Rocket Lab spricht gegen 23:00 Uhr deutscher Zeit; Anleger achten auf das Geschäft mit der Trägerrakete Electron, auf Space Systems und auf den Fahrplan zur größeren Rakete Neutron. Occidental Petroleum liefert außerdem einen Zwischenstand aus der Ölbranche, nachdem Brent in der Vorwoche so stark nachgegeben hat.
In dieser Woche berichten deutlich weniger US-Konzerne als in der vorigen. Von den Mitgliedern des S&P 500 sind nur noch elf am Zug. Die Zahlentaison läuft aus. Gerade deshalb fallen die verbliebenen Schwergewichte stärker ins Gewicht.
Dienstag: Wie hoch ist die US-Inflation im Oktober?
Um 14:30 Uhr kommt der wichtigste Datenpunkt der Woche. Das US-Arbeitsministerium veröffentlicht den Verbraucherpreisindex für Oktober, dazu die Reallöhne. Im September stieg die Gesamtteuerung um 0,6 Prozent zum Vormonat und lag 3,7 Prozent über dem Vorjahr. Die Kernrate ohne Nahrung und Energie kletterte um 0,3 Prozent zum Vormonat und um 2,6 Prozent zum Vorjahr. Energie verteuerte sich damals um 5,2 Prozent, allein Benzin um 9,1 Prozent und machte damit rund die Hälfte des monatlichen Anstiegs aus.
Für Oktober erwartet der Konsens ein langsameres Tempo: plus 0,3 Prozent bei der Gesamtteuerung und plus 0,2 Prozent bei der Kernrate, jeweils zum Vormonat. Der Grund liegt auf der Hand. Der Ölpreis ist in der vergangenen Woche deutlich gefallen, der Benzin-Schub vom September dürfte nachlassen. Gleichzeitig können teure Energie, Fracht und Zölle mit Verzögerung in den Kernpreisen ankommen. Bei der Jahresrate ist Vorsicht geboten: Für Oktober 2025 fehlen wegen des damaligen Regierungsstillstands vollständige Vergleichsdaten. Deshalb schauen viele Händler diesmal vor allem auf die Monatsveränderung.
Warum das so wichtig ist? Die Fed hat Ende Oktober den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Zwei Mitglieder stimmten schon damals für eine Erhöhung. Der von der Fed bevorzugte Preisindex PCE für Oktober erscheint erst am 25. November. Bis dahin bleibt der Verbraucherpreisindex der größte Hinweis, wie viel Spielraum die Notenbank am 9. Dezember hat. Fällt die Kernrate höher aus als erwartet, dürften Anleiherenditen und Dollar steigen – und hoch bewertete Technologiewerte unter Druck geraten. Fällt sie schwächer aus, kann sich die Teil-Erholung vom Freitag fortsetzen. Beides ist möglich, keines davon eine Empfehlung.
Am Nachmittag spricht außerdem EZB-Chefvolkswirt Philip Lane. Fed-Gouverneur Christopher Waller ist ebenfalls auf dem Terminkalender. Ihre Töne können die Zinsdebatte zusätzlich anfachen, ersetzen aber keine Sitzung. Die nächste geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank fällt erst am 17. Dezember.
Infineon, Henkel und CoreWeave
Vorbörslich wird es in Deutschland eng. Infineon ist nach dem Chip-Ausverkauf der wichtigste Frankfurter Termin des Tages. Analysten erwarten 4,69 Milliarden Euro Umsatz und 0,62 Euro Gewinn je Aktie. Am Donnerstag verlor die Aktie 8,54 Prozent, über die ganze Vorwoche rund 9,5 Prozent. Jetzt zählt weniger das abgelaufene Quartal als der Ausblick: Kommt die Schwäche bei KI-Investitionen und Rechenzentren schon in den Büchern der Autozuliefer- und Leistungshalbleiter an – oder bleibt die Nachfrage nach Stromtechnik, Autos und Industriechips robust?
Am selben Morgen berichten Henkel und die Porsche SE. Für Henkel liegen die Schätzungen bei 5,55 Milliarden Euro Umsatz und 2,75 Euro Gewinn je Aktie, für die Porsche Holding bei 2,55 Euro je Aktie. Aus den USA und Europa kommen vorbörslich unter anderem TransDigm, Sea, Honda, Vodafone, Venture Global und On Holding.
Nach US-Börsenschluss wird es wieder ein KI-Termin. CoreWeave, ein Vermieter von Rechenleistung für KI-Modelle, legt Zahlen vor und spricht gegen 23:00 Uhr deutscher Zeit. Der Markt schaut auf Umsatzwachstum, die Abarbeitung langfristiger Verträge, den Zeitplan neuer Rechenzentren, die Investitionen und die Finanzierung. Genau das sind die Punkte, die am Donnerstag die Kurse getroffen haben: nicht nur, ob Kunden GPUs wollen, sondern ob die Gebäude überhaupt gebaut, genehmigt und ans Netz angeschlossen werden. Petrobras berichtet am selben Abend.
Früh am Dienstag kommt außerdem die chinesische Handelsbilanz für Oktober. Um 12:00 Uhr deutscher Zeit erscheint der Optimismusindex kleiner US-Unternehmen (NFIB). Beides kann den Ton setzen, bevor um 14:30 Uhr die Inflationszahlen eintreffen.
Mittwoch: Veterans Day und Zahlen von Siemens Energy
Der Mittwoch ist ein Feiertag mit Fußnote. Veterans Day ist in den USA ein bundesweiter Gedenktag. Die New Yorker Aktienbörse und die Nasdaq handeln ganz normal von 15:30 bis 22:00 Uhr deutscher Zeit. Der US-Anleihemarkt bleibt dagegen geschlossen, so empfiehlt es der Branchenverband SIFMA. In Kanada gilt Ähnliches zum Remembrance Day: Aktien offen, Anleihen zu. Für Aktienanleger ändert sich also wenig, für alle, die Renditen und Anleiheauktionen im Blick haben, fällt ein Handelstag aus. Die wöchentlichen US-Öllagerbestände rutschen deshalb auf Donnerstag, 18:00 Uhr.
Um 8:00 Uhr veröffentlicht Destatis die endgültigen deutschen Verbraucherpreise für Oktober. Die erste Schätzung lag bei 2,8 Prozent zum Vorjahr. Große Abweichungen sind selten, der Termin bestätigt in der Regel nur, was der Markt schon kennt. Die endgültige Inflation der gesamten Eurozone kommt erst in der Woche darauf, am 18. November. Die vorläufige Rate für Oktober hatte 4,0 Prozent gezeigt, getrieben von Energie mit plus 20,8 Prozent. Die Kernrate ohne Energie blieb damals unverändert.
OPEC legt ihren monatlichen Marktbericht vor. Nach dem Ölpreisrutsch der Vorwoche ist das ein Hinweis, wie das Kartell Angebot und Nachfrage jetzt einschätzt. Mehr dazu weiter unten.
Siemens Energy, E.ON, RWE und Brenntag
In Frankfurt gehört der Mittwoch den Versorgern und der Energietechnik. Siemens Energy ist der schwerste Titel des Tages. Analysten rechnen mit 12,69 Milliarden Euro Umsatz und 1,34 Euro Gewinn je Aktie. Im Fokus stehen Auftragseingang, die Marge im Netzgeschäft und der Cashflow – also genau die Größen, an denen sich ablesen lässt, wie stark der Ausbau der Stromnetze trägt. Bei E.ON erwarten Analysten 0,31 Euro je Aktie, bei RWE 0,63 Euro. Brenntag soll 4,07 Milliarden Euro umsetzen und 1,09 Euro je Aktie verdienen.
Der Zusammenhang zur Wall Street ist unmittelbarer, als er auf den ersten Blick wirkt. Rechenzentren brauchen Strom, Anschlüsse und Transformatoren. Was in Texas und Washington über Genehmigungen diskutiert wird, landet früher oder später in den Auftragsbüchern derer, die Netze und Kraftwerke bauen. Umgekehrt gilt: Läuft das Netzgeschäft besser als gedacht, relativiert das ein Stück weit die Sorge, die KI-Infrastruktur werde abrupt ausgebremst. Eine einzelne Quartalszahl entscheidet das nicht. Sie kann den Ton aber setzen.
Aus den USA kommen am Mittwoch vergleichsweise wenige große Namen. Franco-Nevada berichtet nach Börsenschluss, Corteva ebenfalls. Weil der Anleihemarkt geschlossen ist, kann der Aktienhandel dünner wirken als an einem normalen Mittwoch – selbst wenn die Indizes ganz normal berechnet werden.
Donnerstag: Cisco, Applied Materials und die deutschen Schwergewichte
Der Donnerstag ist der volle Tag der Woche, sobald New York öffnet – und schon vorher in Europa. Um 8:00 Uhr kommt die erste Schätzung des britischen Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal. Einen einheitlichen Konsens gibt es dazu derzeit nicht; die Spanne der vorliegenden Schätzungen ist zu weit, um eine einzelne Zahl in den Vordergrund zu stellen. Wichtiger ist, ob die britische Wirtschaft nach der Zinserhöhung der Bank of England vom vergangenen Donnerstag (von 3,75 auf 4,00 Prozent) Schwung zeigt oder an Schwung verliert.
Um 14:30 Uhr folgen in den USA die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Um 16:00 Uhr erscheinen die Verkäufe bestehender Häuser für Oktober. Hier liegt der Konsens bei 3,85 Millionen nach 3,99 Millionen im Vormonat. Um 18:00 Uhr kommen die um einen Tag verschobenen Ölbestände der US-Energiebehörde EIA. Das US-Finanzministerium veröffentlicht außerdem den Bundeshaushalt für Oktober.
Allianz, Münchener Rück und Siemens
In Frankfurt wird der Donnerstag zum zweiten großen Zahlentag. Es berichten Allianz, die Münchener Rück, Siemens und Merck KGaA. Bei der Allianz erwarten Analysten 39,90 Milliarden Euro Umsatz und 9,02 Euro Gewinn je Aktie, bei der Münchener Rück 15,95 Milliarden Euro und 11,26 Euro. Bei den Versicherern zählen Schadenquoten, Kapitalanlageerträge und die Jahresziele. Siemens soll 23,19 Milliarden Euro umsetzen und 2,82 Euro je Aktie verdienen; wichtiger als das abgelaufene Quartal ist der Ausblick auf das neue Geschäftsjahr. Merck KGaA wird mit 5,40 Milliarden Euro Umsatz und 2,08 Euro je Aktie erwartet.
Vorbörslich in den USA legen Brookfield und Nebius vor. Nebius spricht gegen 14:00 Uhr deutscher Zeit. Der Konzern gehört zu den kleineren, aber viel beachteten Anbietern von KI-Rechenleistung. Umsatz mit KI-Cloud, der Ausbau der Rechenkapazität und die Investitionen stehen im Mittelpunkt – dasselbe Thema wie bei CoreWeave, nur einen Tag später.
Cisco und Applied Materials nach Börsenschluss
Nach US-Handelsschluss wird es der schwerste Termin der Berichtswoche. Cisco legt die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor und spricht gegen 22:30 Uhr deutscher Zeit. Analysten erwarten 18,11 Milliarden Dollar Umsatz und 1,32 Dollar Gewinn je Aktie. Der Markt schaut auf die Produktbestellungen, das Geschäft mit Netzen für KI-Rechenzentren, auf Sicherheit und Beobachtbarkeit sowie auf die Integration von Splunk. Am Donnerstag der Vorwoche verlor die Aktie 7,62 Prozent auf 95,72 Dollar – mitten im Tech-Ausverkauf, noch bevor die eigenen Zahlen auf dem Tisch lagen.
Applied Materials berichtet am selben Abend, ebenfalls mit Telefonkonferenz gegen 22:30 Uhr. Es geht um das vierte Quartal und das gesamte Geschäftsjahr 2026. Der Konsens liegt bei 10,30 Milliarden Dollar Umsatz und 4,06 Dollar Gewinn je Aktie. Anleger achten auf die Nachfrage nach Anlagen für die Chipfertigung, auf das Geschäft mit fortschrittlicher Gehäusetechnik und darauf, wie stark Logik- und Speicherhersteller ihre Investitionspläne anpassen. Wenn irgendwo die Sorge um langsamere Rechenzentren in echten Bestellungen ankommt, dann eher bei einem Ausrüster wie Applied Materials als bei einem einzelnen Softwarewert.
Am selben Abend berichten außerdem Cerebras Systems und Nu Holdings. Zusammen gehören Cisco und Applied Materials zu den wertvollsten Meldern der gesamten Woche. Ihre Ausblicke können den Nasdaq 100 am Freitag früh stärker bewegen als mancher Konjunkturtermin.
Freitag: Was zeigen die US-Erzeugerpreise?
Um 14:30 Uhr kommt der zweite große Inflationsbaustein. Die Erzeugerpreise für Oktober messen, was Hersteller für ihre Waren und Dienstleistungen verlangen – also den Preisdruck eine Stufe vor den Verbraucherpreisen. Der Konsens erwartet plus 0,4 Prozent zum Vormonat nach plus 1,3 Prozent im September. Zum Vorjahr soll die Rate auf 6,6 Prozent steigen nach 6,3 Prozent. Die Kernrate ohne Nahrung und Energie wird mit plus 0,3 Prozent zum Vormonat erwartet, nach plus 0,7 Prozent.
Ein höherer Wert bedeutet nicht automatisch, dass die Verbraucherpreise im Gleichschritt folgen. Unternehmen können Kosten schlucken, weitergeben oder über geringere Margen ausgleichen. Für die Fed zählt vor allem, ob der Schub bei Energie und Vorleistungen in der Breite der Wirtschaft ankommt. Zusammen mit dem Verbraucherpreisindex vom Dienstag ergibt sich damit das Bild, das die Märkte bis zur Sitzung am 8. und 9. Dezember mitnehmen.
Um 11:00 Uhr veröffentlicht Eurostat die zweite Schätzung des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone für das dritte Quartal. Die erste Meldung hatte plus 0,4 Prozent zum Vorquartal gezeigt. Außerdem kommen endgültige Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien sowie der Außenhandel der Eurozone für September. Destatis legt am Morgen die deutschen Großhandelspreise für Oktober vor.
Auf dem Terminkalender steht außerdem eine Kreditwürdigkeitsprüfung Deutschlands durch Fitch. Solche Termine ändern selten über Nacht etwas am Handel, können aber die Schlagzeilen füllen, wenn die Agentur den Ausblick anfasst. In der Nacht zum Freitag spricht zudem John Williams, Präsident der New-York-Fed.
An Unternehmen ist der Freitag dünn. In Japan werden die Halbjahreszahlen von Mitsubishi UFJ, Sumitomo Mitsui und Mizuho erwartet. Nach dem schwachen Nikkei vom Freitag der Vorwoche können die großen Banken einen Hinweis darauf geben, wie das höhere Zinsumfeld in Tokio in den Büchern ankommt. Die Bank of Japan selbst entscheidet diese Woche nicht; sie veröffentlicht lediglich am Dienstag die Meinungsübersicht ihrer Oktobersitzung, bei der sie den Zins bei 1,25 Prozent belassen hat.
Welche Rolle spielt der Ölpreis?
Brent schloss am Freitag bei 98,32 Dollar je Barrel, nach einem Wochenminus von rund 17 Prozent. Das war der stärkste prozentuale Wocheneinbruch seit der frühen Pandemie-Phase. WTI schloss bei 90,83 Dollar. Der große Rutsch kam am Mittwoch, als nach den US-Zwischenwahlen Hoffnungen auf eine Entspannung im Iran-Konflikt aufkamen. Donnerstag und Freitag folgte eine Gegenbewegung, auch weil erneut über mögliche weitere US-Schläge und über Angriffe auf Tanker im Golf berichtet wurde.
Für die Börsenwoche hat das zwei Seiten. Billigeres Öl nimmt Druck von der Gesamtteuerung und entlastet importierende Regionen wie Europa. Gleichzeitig bleibt das Angebot anfällig, solange die Schifffahrt durch die Straße von Hormus unsicher ist. Am Mittwoch kommt der Monatsbericht der OPEC, am Donnerstag die US-Lagerbestände, am Freitag der Ölmarktbericht der Internationalen Energieagentur. Die Berichte können den Preis bewegen. Die größere Unbekannte bleibt die Politik rund um Iran.
Was heißt das für den MSCI World und dein Depot?
Der MSCI World besteht zu mehr als zwei Dritteln aus US-Aktien, und ein großer Teil der größten Positionen sind Technologiewerte. Wer einen Welt-ETF bespart, hängt also genau an den Themen dieser Woche: an der US-Inflation, an den verbliebenen Tech-Zahlen und an der Frage, wie schnell Rechenzentren gebaut werden dürfen. Die Vorwoche hat gezeigt, wie heftig das in beide Richtungen gehen kann. Am Mittwoch eine Midterm-Rally, am Donnerstag der schärfste Tech-Ausverkauf seit eineinhalb Jahren, am Freitag eine Teil-Erholung.
Für Anleger mit langem Horizont ist eine einzelne Woche selten der Punkt, an dem sich die Strategie ändern muss. Wer regelmäßig in einen breiten ETF spart, muss deshalb nichts umstellen, nur weil der Nasdaq vier Wochen in Folge nachgegeben hat. Es kann sich aber lohnen, einmal nachzusehen, wie groß der Anteil einzelner Chip- und KI-Werte im eigenen Depot inzwischen ist. Einen ETF-Sparplan kannst du günstig bei Brokern wie Scalable Capital * oder finanzen.net zero * einrichten. Wer das Prinzip hinter breit gestreuten Indexfonds gründlich verstehen will, findet es in Gerd Kommers Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ * ausführlich erklärt.
Fazit
Diese Woche entscheidet sich weniger an einer Wahl als an Zahlen. Der Verbraucherpreisindex am Dienstag zeigt, ob der Preisdruck nach dem teuren September nachlässt. Cisco und Applied Materials am Donnerstagabend zeigen, ob die Investitionen in Netze und Chipfertigung trotz der Sorgen um Rechenzentren tragen. Der Erzeugerpreisindex am Freitag ergänzt das Bild vor der Fed-Sitzung im Dezember. Dazu kommen 13 DAX-Konzerne, allen voran Infineon, Siemens Energy, Siemens und die großen Versicherer. Der Ölpreis bleibt die zweite Unbekannte. Mit größeren Schwankungen bei S&P 500 und Nasdaq ist zu rechnen – das hat die Vorwoche bereits vorgemacht.
Häufige Fragen
Wann kommen die US-Verbraucherpreise für Oktober?
Am Dienstag, 10. November, um 14:30 Uhr deutscher Zeit. Gleichzeitig erscheinen die Reallöhne. Der Konsens erwartet plus 0,3 Prozent zum Vormonat bei der Gesamtteuerung und plus 0,2 Prozent bei der Kernrate ohne Nahrung und Energie.
Ist die Wall Street am Veterans Day geöffnet?
Ja. Am Mittwoch, 11. November, handeln NYSE und Nasdaq zu den üblichen Zeiten, also von 15:30 bis 22:00 Uhr deutscher Zeit. Der US-Anleihemarkt bleibt geschlossen. Die wöchentlichen Ölbestände werden deshalb erst am Donnerstag veröffentlicht.
Welche großen Technologiewerte legen Zahlen vor?
Am Dienstagabend CoreWeave, am Donnerstagabend Cisco und Applied Materials. Dazu kommen am Montag unter anderem Take-Two und Rocket Lab sowie am Donnerstagmorgen Nebius. Die ganz großen Namen wie Apple, Nvidia oder AMD haben in den vorigen Wochen bereits berichtet.
Tagt diese Woche eine der großen Notenbanken?
Fed und EZB entscheiden nicht. Die nächste Fed-Sitzung ist am 8. und 9. Dezember, die nächste geldpolitische EZB-Sitzung am 16. und 17. Dezember. Am Dienstag erscheint lediglich die Meinungsübersicht der Bank of Japan zur Oktobersitzung. Mehrere Fed- und EZB-Vertreter sprechen im Lauf der Woche, darunter Philip Lane und Christopher Waller.
Welche DAX-Konzerne legen Zahlen vor?
Unter anderem GEA und Hannover Rück am Montag, Infineon, Henkel und Porsche SE am Dienstag, Siemens Energy, E.ON, RWE und Brenntag am Mittwoch sowie Allianz, Münchener Rück, Siemens und Merck KGaA am Donnerstag.
Um wie viel Uhr öffnet die Wall Street in dieser Woche?
Um 15:30 Uhr deutscher Zeit. Der Abstand zu New York beträgt sechs Stunden. US-Konjunkturdaten wie der Verbraucherpreisindex und die Erzeugerpreise erscheinen um 14:30 Uhr.