Wochenrückblick: Die Wall Street beendet die Midterm-Woche mit einem klaren Minus. Der S&P 500 verliert rund 2,7 Prozent, der Nasdaq Composite rund 3,4 Prozent – der vierte Wochenverlust in Folge. Am Mittwoch noch Midterm-Rally, am Donnerstag der schärfste Tech-Ausverkauf seit April 2025. Freitag folgt eine Teil-Erholung, aber nicht genug. Der DAX bleibt unterm Strich praktisch unverändert.
Hallo und schön, dass du da bist. Fünf Handelstage, eine Wahl, ein KI-Schock und ein starker US-Jobsbericht – diese Börsenwoche vom 2. bis 6. November hatte wenig Ruhe. Hier bekommst du den kompletten Rückblick: was Tag für Tag passiert ist, warum die Kurse so heftig schwankten, wer gewonnen und wer verloren hat und worauf es in den nächsten Tagen ankommt.
Kurzfassung, falls du nicht alles lesen willst
- S&P 500 −2,7 % auf 7.376,86, Nasdaq Composite −3,4 % auf 24.579,42, Dow Jones −0,9 % auf 51.285,73. Nasdaq steuert auf den vierten Wochenverlust in Folge.
- Mittwoch: Midterm-Rally (Dow +3,0 % auf 53.356). Donnerstag: Tech-/KI-Absturz (Nasdaq −5,5 %, S&P −4,4 %, VIX auf 28,18). Freitag: Teil-Erholung bei Tech, Dow bleibt schwach.
- Demokraten übernehmen Senat (54:44 laut CBS) und Repräsentantenhaus. In Texas wird Gina Hinojosa Gouverneurin – Moratorium für neue Rechenzentren.
- Nvidia in der Woche rund −8,8 % auf 186,64 $, AMD −11,1 % auf 449,04 $. Freitag holen beide einen Teil zurück.
- DAX schließt bei 25.820,36 Punkten – Woche praktisch flach (+0,01 %). Nikkei −5,96 % auf 57.434,77. Brent von rund 118 auf 98 $ (−16,6 %).
- Jobsbericht Oktober: +165.000 Stellen, Arbeitslosenquote 4,1 %. Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinsanhebung im Dezember laut Terminmarkt rund 70 bis 78 %.
Die Woche in Zahlen
Zuerst die nackten Zahlen. Die US-Indizes und Europa liefen auseinander: Während der DAX die Achterbahnfahrt mit einem Plus von zwei Punkten beendete, gaben S&P und Nasdaq klar nach. Der Dow hielt sich besser, weil er weniger Tech-lastig ist – aber auch er schloss die Woche im Minus.
| Index | Schluss Freitag | Woche |
|---|---|---|
| S&P 500 | 7.376,86 | −2,7 % |
| Nasdaq Composite | 24.579,42 | −3,4 % |
| Dow Jones | 51.285,73 | −0,9 % |
| DAX | 25.820,36 | +0,0 % |
| Nikkei 225 | 57.434,77 | −6,0 %* |
| Brent (Jan.) | 98,06 $ | −16,6 % |
*Nikkei: Freitagsschluss und Tagesminus −5,96 % laut Japan Times / FX Leaders; Wochenwert gerundet.
Hier der S&P 500 im Chart – der Index, der die breite US-Börse am besten abbildet:
Und der Nasdaq 100 als Proxy für die Tech-Lastigkeit (der Composite selbst ist im Widget gesperrt):
Der Wochenverlauf Tag für Tag
Montag: Vorsicht vor der Wahl
Zum Wochenauftakt war die Stimmung an der Wall Street schon angespannt. Der S&P 500 gab 0,51 Prozent auf 7.541,40 Punkte nach, der Nasdaq Composite 1,07 Prozent auf 25.164,31. Der Dow hielt sich mit einem Plus von 0,41 Prozent auf 51.983,98 Punkten. Im Hintergrund stand die Erwartung der US-Zwischenwahlen am Dienstag – und die Frage, was ein Machtwechsel im Kongress für Steuern, Ausgaben und KI-Regeln bedeutet. Brent fiel bereits spürbar auf 104,77 Dollar, nach dem hohen Stand der Vorwoche.
Dienstag: Wahltag, Chipwerte und Öl
Am Wahltag selbst ging es gemischt zu. Der S&P schloss leicht im Plus bei 7.568,92 Punkten (+0,36 %), der Nasdaq bei 25.372,01 (+0,83 %). Der Dow gab 0,38 Prozent auf 51.786,72 nach. In Frankfurt und an den Chipwerten war der Tag lebhafter – Details stehen in unserem Börsenbericht vom Dienstag. AMD legte nach starken Quartalszahlen zu (Umsatz +45 %, Rechenzentrum +97 %), bevor die Politik-Story später die Story der Zahlen überholte. Öl blieb unter Druck: Brent bei 103,60 Dollar.
Mittwoch: Midterm-Rally
Dann der große Aufschwung. Als klar wurde, dass die Demokraten Senat und Repräsentantenhaus übernehmen, bewertete der Markt das zunächst als Blockade-Risiko – weniger große Steuer- oder Ausgabenpakete, weniger Unruhe. Der Dow sprang um 3,03 Prozent auf 53.356,12 Punkte, der stärkste Tag seit Monaten. Der S&P 500 legte 1,58 Prozent auf 7.688,62 zu, der Nasdaq Composite 1,44 Prozent auf 25.736,51. Der VIX fiel auf 16,61 – so ruhig war die Woche an keinem anderen Tag. Gleichzeitig stürzte Brent auf 94,62 Dollar, weil Hoffnungen auf eine Deeskalation im Iran-Konflikt aufflammten.
Donnerstag: Der KI-Absturz
Einen Tag später war die Narrative gekippt. Nicht mehr „Blockade = gut für Aktien“, sondern „Demokraten = strengere KI-Regeln und weniger Rechenzentren“. Der Nasdaq Composite fiel um 5,52 Prozent auf 24.315 Punkte und rutschte in eine Korrektur (mehr als 10 % unter dem Hoch). Der S&P 500 verlor 4,36 Prozent auf 7.353,73, der Dow 3,44 Prozent auf 51.523,06. Der VIX sprang auf 28,18 – ein Plus von rund 70 Prozent gegenüber dem Vortag.
Nvidia schloss bei 181,60 Dollar (−9,3 % am Tag), AMD bei 404,40 (−17,3 %). Speicher- und Festplattenwerte wie Micron, Western Digital und Seagate lagen in Berichten bei rund −16 %. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) gab im Tagesverlauf um etwa 12 Prozent nach. Alles dazu steht im Marktbericht vom Donnerstag.
In Frankfurt drehte der DAX nach einem Allzeithoch im Verlauf (rund 26.693 Punkte) und schloss 0,4 Prozent tiefer bei 26.325,01. Die Bank of England hob den Leitzins von 3,75 auf 4,00 Prozent – die erste Erhöhung seit drei Jahren. Brent reboundete auf 98,29 Dollar.
Freitag: Teil-Erholung, Jobs und DAX unter Druck
Freitag holte Tech einen Teil zurück. Der Nasdaq Composite stieg um 1,09 Prozent auf 24.579,42, der S&P um 0,31 Prozent auf 7.376,86. Der Dow blieb schwach und schloss 0,46 Prozent tiefer bei 51.285,73. Nvidia legte auf 186,64 Dollar zu (+2,8 %), AMD sprang um 11,0 Prozent auf 449,04 Dollar – nach dem Absturz vom Vortag eine typische Gegenbewegung, kein Freibrief.
Der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober überraschte nach oben: +165.000 Stellen, erwartet waren rund 59.000 bis 65.000. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 %. Das ist stark – und genau deshalb hält der Terminmarkt die Chance auf eine Fed-Zinsanhebung im Dezember bei rund 70 bis 78 %.
Europa spürte den Nachhall vom Donnerstag. Der DAX verlor 1,92 Prozent auf 25.820,36 Punkte und beendete die Woche damit praktisch unverändert gegenüber dem Vorfreitag (25.818,21). Der Nikkei in Tokio stürzte um 5,96 Prozent auf 57.434,77 – einer der schärfsten Tagesverluste seit der Pandemie-Phase.
Warum die Märkte so stark schwankten
Vier Dinge haben diese Woche geprägt. Erstens die Midterms. Zweitens die Neubewertung der KI-Infrastruktur. Drittens der Ölpreis. Viertens die Zinserwartungen nach dem Jobsbericht.
Midterms: Erst Erleichterung, dann Regulierungssorge
Laut CBS News kontrollieren die Demokraten den Senat mit 54 zu 44 Sitzen und das Repräsentantenhaus. Für Anleger zählt weniger die Parteifarbe als die Folge: geteilte oder demokratisch geführte Legislative versus Weißes Haus bedeutet oft Blockade bei großen Gesetzen – und gleichzeitig mehr Druck bei Regulierung. Genau das preiste der Markt am Donnerstag ein.
In Texas gewann erstmals seit 30 Jahren eine Demokratin die Gouverneurswahl: Gina Hinojosa. Amtsantritt ist der 19. Januar 2027. Schon im Wahlkampf hatte sie ein Moratorium für neue Rechenzentrums-Genehmigungen angekündigt. Parallel gab es Dutzende lokale Abstimmungen gegen neue Zentren. Analyst Dan Ives schätzte, dass rund 10 Prozent der geplanten Datacenter ausfallen könnten; UBS sprach von bis zu 30 Prozent der bis 2028 geplanten US-Kapazität, die wegen Bauverzögerungen auf der Kippe stehen.
KI: Gute Zahlen helfen nicht, wenn die Bau-Story wackelt
AMD hatte am Dienstag Rekordzahlen geliefert. Am Donnerstag war das egal. Der Markt bewertet gerade nicht mehr nur Umsatz und Marge, sondern ob die nächste Welle an Rechenzentren überhaupt genehmigt, finanziert und ans Netz angeschlossen wird. Nvidia, AMD, Micron, Broadcom, Arm – alle hängen an dieser Kette. Wer breit gestreut über einen Welt-ETF investiert, muss solche Tage nicht nachhandeln. Wer stark auf einzelne Chipwerte setzt, schon.
Öl: Von 118 auf 98 Dollar
Brent startete die Woche bei 117,64 Dollar und endete bei 98,06 (−16,6 %). Der große Rutsch kam am Mittwoch (−9 % auf 94,62), als Deeskalationshoffnungen im Iran-Konflikt aufkamen. Donnerstag und Freitag folgte ein leichter Rebound Richtung 98 Dollar. WTI schloss bei 90,56 Dollar (−13 % in der Woche). Billigeres Öl entlastet Konsum und Inflation – teurer wäre Gift für die Zinsfantasie. Beides bleibt möglich.
Notenbanken und Jobs
Die Fed tagte diese Woche nicht. Die Bank of England schon: +25 Basispunkte auf 4,00 Prozent, Votum 8 zu 1. Catherine Mann wollte sogar 50 Basispunkte. Gouverneur Andrew Bailey signalisierte, dass bei anhaltendem Inflationsdruck weitere Schritte folgen können. In den USA hält der Terminmarkt die Chance auf eine Erhöhung im Dezember bei rund drei Vierteln – der starke Jobsbericht (+165.000) stützt diese Erwartung eher, als dass er sie dämpft.
Gewinner und Verlierer der Woche
Wall Street: Chipwerte und der Tech-Druck
Unterm Strich gehören Nvidia (−8,8 % auf 186,64 $) und AMD (−11,1 % auf 449,04 $) zu den großen Wochenverlierern unter den Schwergewichten – trotz Freitags-Rebound. Am Donnerstag allein verloren die „Magnificent 7“ laut CNBC rund eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung. Der Nasdaq Composite steuert damit auf den vierten Wochenverlust in Folge.
Am Freitag gehörten Airbnb (+12 %) und NRG Energy (+11,5 %) zu den S&P-Gewinnern. Salesforce und Nike lagen im Dow eher auf der Verliererseite. Die Breite des Marktes war über die Woche klar negativ bei Tech, gemischt bei Value und Energie.
DAX: Heidelberg Materials vorn, Rheinmetall hinten
Obwohl der Index flach schloss, war unter der Haube viel Bewegung. Laut AktienCheck gewannen 28 der 40 DAX-Werte, 12 verloren. Spitzenreiter: Heidelberg Materials mit +15,5 % nach Quartalszahlen und bestätigter Prognose. Dahinter Bayer (+9,9 %) und Fresenius (+9,3 %), ebenfalls nach Zahlen. Continental (+5,7 %) und MTU (+5,3 %) folgten.
Schlusslicht war Rheinmetall mit rund −21,7 % – Prognose und politische Lage nach den Midterms belasteten. Infineon verlor rund 9,5 % und spürte den globalen Chip-Druck. Siemens Energy geriet ebenfalls unter Druck. Wer den DAX als Ganzes hält, hat davon wenig gemerkt. Wer einzelne Titel übergewichtet, schon.
Was heißt das für dein Depot?
Die Woche zeigt zwei Dinge sehr klar. Erstens: Politik kann die KI-Story über Nacht umschreiben, ohne dass sich die Quartalszahlen ändern. Zweitens: Ein einzelner Handelstag (Donnerstag) kann eine Midterm-Rally ausradieren und mehr. Wer mit einem Sparplan in breite ETFs investiert – MSCI World, S&P 500, weltweit gestreut – muss solche Ausschläge aushalten, handelt sie aber nicht aktiv nach.
Sinnvoll ist ein Blick auf den Tech-Anteil im eigenen Depot. Ein Welt-ETF hat davon automatisch eine Menge. Wer zusätzlich einzelne Chipwerte hält, sollte wissen, warum – und welche Story (Nachfrage, Genehmigungen, Stromnetz) gerade den Kurs treibt. Panikverkäufe am Freitag nach dem Rebound sind selten die beste Idee. Genauso wenig wie All-in am Mittwoch nach der Rally.
Wer einen Sparplan einrichten oder ETFs und Einzelaktien handeln möchte, findet bei Scalable Capital * oder finanzen.net zero * günstige Neobroker mit großer ETF-Auswahl. Das Prinzip hinter breit gestreuten Indexfonds erklärt Gerd Kommer in seinem Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ *.
Ausblick auf die nächsten Tage
Nächste Woche steht der US-Verbraucherpreisindex (CPI) für Oktober auf dem Plan – laut Kalender am Dienstag. Dazu kommen Zahlen von SoftBank, Infineon, Siemens Energy, Cisco und Applied Materials. Die Fed tagt erst wieder am 8./9. Dezember. Bis dahin bleibt jede Inflationszahl und jedes Fed-Mitglied ein Kurs-Hebel.
Parallel bleibt die KI-Regulierung Thema: Was Texas und der Kongress in den nächsten Wochen signalisieren, dürfte Chipwerte weiter bewegen. Öl und der Iran-Konflikt sind die zweite Unbekannte. Und der Nasdaq hängt nach vier Wochenverlusten an der Frage, ob der Freitags-Rebound hält oder nur eine Atempause war.
Einen ersten Überblick auf diese Woche hatten wir schon im Sonntags-Ausblick skizziert – die Midterms und der Arbeitsmarktbericht haben genau die Volatilität gebracht, die dort angekündigt war.
Fazit
Unterm Strich war es eine schlechte Woche für die Wall Street und eine flache für den DAX. Die Midterm-Rally am Mittwoch ist Geschichte. Der KI-Ausverkauf am Donnerstag hat gezeigt, wie empfindlich der Markt auf Genehmigungen und Regulierung reagiert. Freitag brachte Entspannung bei Nvidia und AMD, aber keine Trendwende für die Woche. Öl ist deutlich billiger, die BoE hat die Zinsen angehoben, und der starke Jobsbericht hält die Fed-Fantasie für Dezember am Leben. Die nächste Woche entscheidet sich an CPI, weiteren Tech-Zahlen und dem, was aus Texas und Washington zur KI-Infrastruktur kommt.
Häufige Fragen
Wie haben S&P 500, Nasdaq und Dow in der Woche vom 2. bis 6. November geschlossen?
Laut Yahoo Finance: S&P 500 bei 7.376,86 (−2,7 % zur Vorwoche), Nasdaq Composite bei 24.579,42 (−3,4 %), Dow Jones bei 51.285,73 (−0,9 %).
Warum sind KI- und Chipwerte am Donnerstag so stark gefallen?
Anleger fürchteten nach dem Demokraten-Sieg strengere KI-Regeln und langsameren Bau von Rechenzentren – unter anderem wegen des angekündigten Moratoriums in Texas. Der Nasdaq Composite fiel um 5,5 Prozent, Nvidia und AMD zweistellig.
Wie hat der DAX die Woche beendet?
Bei 25.820,36 Punkten, praktisch unverändert zur Vorwoche (+0,01 %). Am Freitag gab er 1,92 Prozent nach. Gewinner der Woche waren unter anderem Heidelberg Materials, Bayer und Fresenius; größter Verlierer Rheinmetall.
Was zeigte der US-Jobsbericht?
Im Oktober entstanden 165.000 Stellen, deutlich mehr als erwartet. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 %. Der Terminmarkt sieht daraufhin weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinsanhebung im Dezember.
Was sind die wichtigsten Termine der nächsten Tage?
Der US-CPI, weitere Quartalszahlen aus Tech und Industrie sowie politische Signale zur KI- und Rechenzentrums-Regulierung. Die nächste Fed-Sitzung ist erst im Dezember.